
Euro
Der Europäischen Zentralbank kommt in der gegenwärtigen Lage eine besondere Bedeutung zu. Das in Frankfurt am Main ansässige Institut hat ein großes Interesse daran, den Euro aus den Untiefen der bestehenden Währungskrise zu bergen. Denn ob mit den neuen Regierungen in Griechenland und Italien nun auch die gesamte Euro-Zone als gerettet gelten darf, steht in den Sternen. Vielmehr verhält es sich so, dass in den betroffenen Krisenländern weiterhin die Zinsen für die öffentlichen Schulden steigen, während die Wirtschaft kränkelt. Hier kann die EZB helfend eingreifen, indem sie Staatsanleihen kauft – und zwar in großem Umfang.
In Italien ist jetzt ein renommierter Wirtschaftsexperte Regierungschef, und ein dickes Sparpaket wurde außerdem vom Parlament genehmigt – das stärkt das Vertrauen der Finanzmärkte darauf, dass Europas drittgrößte Wirtschaftsmacht ihre Staatsschulden abtragen und die damit verbundene Krise überwinden kann. Doch könnte diese Hoffnung trügerisch sein oder sich nur für einen überschaubaren Zeitraum erfüllen lassen. Experten gehen davon aus, dass sich die Märkte nicht dauerhaft beruhigen werden. Schließlich zahlt Italien bei Staatsanleihen, die über fünf Jahre laufen, bereits mehr als sechs Prozent Zinsen. Das ist der höchste Zinssatz, seitdem der Euro vor über zehn Jahren eingeführt wurde.
Viele der Euro-Saaten stecken gegenwärtig in der Rezession oder wirtschaften ihr entgegen. Immer neue Sparpakete verlangsamen das Wachstum der Wirtschaft – dabei beeinflussen sich die negativen Trends der einzelnen Länder untereinander. Also gehen viele Fachleute davon aus, dass in naher Zukunft weitere Wachstumseinbußen prophezeit werden. Wenn dies sich bewahrheitet, gibt es weniger Steuereinnahmen und zugleich Mehrausgaben für arbeitslose Bürger.
Beim Eingreifen der EZB geht es auch darum, die eigenen Jobs zu retten. Die Europäische Zentralbank müsste die Garantie dafür übernehmen, dass in den Krisenländern keine weiteren Zinserhöhungen über fünf oder sechs Prozent erfolgen. Zur Durchsetzung eines bestimmten Zinsniveaus muss sie die Bereitschaft zeigen, unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Der neue Chef der EZB und seine Kollegen dürften Interesse daran haben, ihre Posten noch eine Weile zu behalten. Auch dies ist abhängig davon, ob der Euro fortbesteht oder nicht.
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